Projekt Messnetz

Notwendigkeit

Fachleute aus dem Bereich Wasserwirtschaft weisen in Veröffentlichungen und in Vorträgen auf Konferenzen immer wieder auf die Problematik bei wasserwirtschaftlichen Projekten hin.

Problematik

Dort heißt es, dass nationale und internationale Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit als Planer oft das Problem haben, dass für das Projektgebiet keine bzw. unzureichende hydrologische und meteorologische Daten vorliegen. Diese sind von großer Bedeutung für eine verlässliche Berechnung in den Bereichen

  • Agrarwirtschaft (Be- und Entwässerung, Bodenentsalzung)
  • Siedlungswasserwirtschaft (Wasserversorgung und Abwasserentsorgung)
  • Erosionsschutz
  • Hochwasserschutz
  • Wasserbilanzen
  • Naturschutz (Festlegen von Grenzen für Feuchtgebiete, Naturschutzgebiete, Nationalparks)
  • Energiewirtschaft
  • Dörfliche und städtebauliche Maßnahmen (Straßen- und Wegebau, Kanalisation)

Die für diese Zwecke nutzbaren Wasservorkommen sind sehr oft in ihrer Quantität, Qualität, räumlicher und zeitlicher Verteilung nicht erfasst. Sollten die Daten doch einmal vorliegen, dann haben sie unter Umständen Lücken. Auf diese Problematik wird z.B. in dem Buch „Wasserwirtschaftliche Meß- und Auswerteverfahren in Trockengebieten“ [1] hingewiesen.

Situation unverändert

Dass sich die Situation bis heute nicht geändert hat, wird in dem Bericht „Datenmangel in Afrika“ in der Sendung "Forschung aktuell" des Deutschlandfunks vom 24.08.2005 von Volker Mrasek deutlich. Dort sagt der schwedische Hydrologe und Ingenieur Rikard Lidén in einem Seminar auf dem World Water Week 2005 in Stockholm, dass Afrika nicht nur an Wasser-, sondern auch Datenmangel leide. Der Forschungsleiter beim Schwedischen Wetter- und Wasserdienst in Norrköping / Schweden, Sten Bergström, wird mit folgenden Worten zitiert: „Manchmal fehlen Daten einfach, weil niemals gemessen wurde. Manchmal werden Messstationen zerstört, durch Bürgerkriege. Doch meistens fehlt es den Wasserbehörden an Geld, um Leute für die Messungen abzustellen und die Instrumente zu warten. Das ist wirklich ein Problem.“ Rikard Lidén sagt, dass es ein Problem gibt, das „immer größer werde – da auch die Qualität der Daten immer stärker nachlasse und viele Messreihen heute nicht mehr fortgesetzt würden. Dadurch könne der Wassermangel in Afrika sogar noch verstärkt werden, warnt der Ingenieur und schildert ein Beispiel aus der Süd-Ost-Ecke des Kontinents. ...“

Vor Projektbeginn

stellen sich dann folgende Fragen und Probleme:

  • Gibt es Daten für das Projektgebiet?
  • Wo sind diese Daten für das Projektgebiet zu bekommen?
  • Wie zuverlässig, repräsentativ und vergleichbar (gleiche Messverfahren) sind die Daten?
  • Können die Lücken in Messreihen geschlossen werden, z. B. durch den Aufbau eigener Messstellen oder durch Übertragen von Daten aus vergleichbaren Gebieten?
  • Die Datensuche im Land selbst ist mit hohem Aufwand an Zeit und Geld ohne Erfolgsgarantie verbunden.

Selbst wenn vor Projektbeginn noch Zeit sein sollte, Messstellen aufzubauen und diese während des Projektes weiter zu betreiben, so haben diese erhobenen Daten nicht die statistische Aussagekraft wie langjährige Messreihen. Für wasserwirtschaftliche Planungen sind Messreihen über 10 bis 30 Jahre notwendig. Je länger der Beobachtungszeitraum, desto statistisch aussagekräftigere Ergebnisse bekommt man.

Stationsdichte

Vergleich der Stationsdichte in Deutschland und Afrika

Verglichen mit Deutschland ist das Netz von hydrologischen und meteorologischen Messstationen in Afrika sehr dünn. Dadurch ist die Fläche, die von jeder Messstation abgedeckt wird, sehr groß und die Aussagekraft der Daten entsprechend gering.

Wetterstationen

In Afrika deckt eine WMO Wetterstation eine Fläche von 27.347 km² ab. Insgesamt sind auf dem Kontinent 1.108 WMO Wetterstationen. In Deutschland beträgt die Fläche je WMO Wetterstation nur 1.244 km². In Deutschland werden 287 WMO Wetterstionen betrieben.

Eine Tabelle mit der Anzahl der WMO-Wetterstationen der einzelnen Länder in Afrika finden Sie weiter unten.

Abfluss-Messstationen

In Afrika (ohne die Fläche der Sahara) befinden sich auf 21.300.000 km² 888 Abfluss-Messstationen. Da die Sahara praktisch abflusslos ist, wurde die Fläche des Kontinents um ihr Gebiet verringert. Abb. 2 zeigt den Vergleich der Flächen und die dort vorhandene Anzahl von Abflussmessstationen.

WMO-Stationen
Land Fläche in km² Anzahl der Stationen¹ Fläche je Station in km²
Deutschland 357.114 287 1.244
Ägypten 1.001.449 54 18.545
Algerien 2.381.741 83 28.696
Angola 1.246.700 32 38.959
Äquatorial-Guinea 28.051 2 14.026
Äthiopien 1.127.127 17 66.302
Benin 112.680 6 18.780
Botswana 582.000 19 30.632
Britische Inseln Atlanik   2  
Burkina Faso 274.200 11 24.927
Burundi 27.834 2 13.917
Demokratische Republik Kongo 2.345.410 57 41.148
Djibouti 23.200 2 11.600
Elfenbeinküste 322.460 14 23.033
Eritrea 121.144 4 30.286
Französische Inseln im Indopazifik 22. 225 10 2.223
Gabun 267.667 13 20.590
Gambia 11.295 11 1.027
Ghana 238.537 21 11.359
Guinea 245.857 12 20.488
Guinea Bissau 36.125 4 9.031
Kamerun 475.442 18 26.413
Kenia 582.646 25 23.306
Komoren 1.862 4 466
Lesotho 30.355 3 10.118
Liberia 111.370 2 55.685
Libyen 1.775.500 22 80.705
Madagaskar 587.041 26 22.579
Malawi 118.480 23 5.151
Mali 1.240.192 20 62.010
Marokko 446.550 35 12.759
Mauretanien 1.030.700 16 64.419
Mauritius 2.040 5 408
Mosambik 801.590 23 34.852
Namibia 824.292 15 54.953
Niger 1.267.000 16 79.188
Nigeria 923.768 33 27.993
Ruanda 26.338 5 5.268
Sambia 752.614 36 20.906
São Tomé und Príncipe 1.001 2 501
Senegal 197.722 12 16.477
Seychellen 455 5 91
Sierra Leone 71.740 9 7.971
Simbabwe 390.757 41 9.531
Somalia 637.657 637.657 28.984
Sudan 2.505.810 39 64.252
Südafrika 1.219.912 173 7.052
Swasiland 17.363 1 17.363
Tansania 945.087 21 45.004
Togo 56.785 9 6.309
Tschad 1.284.000 16 80.250
Tunesien 163.610 22 7.437
Uganda 241.040 12 20.087
Zentralafrikanische Republik 622.984 14 44.499

1 Quelle: Deutscher Wetterdienst Hamburg, Stand 13.05.2008